Der Isenheimer altar, yanai und das heilige feuer

ein Dokumentarfilm von Manuel Stettner

Ergriffen und besessen von Grünewalds Meisterwerk, dem Isenheimer Altar, widmet der japanische Maler Itsuki Yanai 30 Jahre seines Lebens einer detailgetreuen Kopie davon. Seine manische Reise ergründet nicht nur die vergessene therapeutische Funktion des Originals, sondern erforscht die Grenzen zwischen Kunst, Heilung und kultureller Ansteckung.

Der Isenheimer Altar, von 1512 bis 1516 von Matthias Grünewald geschaffen, ist mehr als ein Meisterwerk der deutschen Renaissance. Er ist bis heute eines der meistbesuchten Kunstwerke Frankreichs. Er war ein medizinisches Instrument, ein Medium der Heilung für die Patienten, die im Antoniter-Hospital in Isenheim am epidemisch auftretenden „Heiligen Feuer” litten, halluzinierten und starben. Die drastische Darstellung des geschundenen Christus sollte ihnen Trost spenden: Gott selbst teilte ihr Leiden. Als Flügelaltar lässt er sich durch bewegliche Teile verwandeln – und repräsentiert damit die Wandlung eines grünlich verwesenden Körpers in den spirituell gereinigten Leib des Auferstandenen.

Im Sommer 1977, steht Itsuki Yanai, ein junger japanischer Kunststudent, vor diesem Altar in Colmar. Die Begegnung wird zur lebensverändernden „Ansteckung”. Er fasst einen radikalen Entschluss: Er wird sein Leben der Aufgabe widmen, dieses gewaltige Kunstwerk malerisch und technisch zu durchdringen und in Originalgröße zu kopieren. Es ist der Beginn einer 30-jährigen Obsession.

Der Film „Der Isenheimer Altar, Yanai und das heilige Feuer“ spürt dieser doppelten Faszination nach: Er taucht ein in die geheimnisvolle Welt des Isenheimer Altars, entschlüsselt seine Ikonografie, seine Verbindung zur mittelalterlichen Medizin, zur Mystik und zur Geschichte des Mutterkorns. Kunsthistoriker, Mediziner, Theologen und Botaniker führen uns durch dieses einzigartigen Werk.

Gleichzeitig zeichnet der Film das Porträt von Itsuki Yanai (1950-2009). Wer war dieser Mann, der sich einem einzigen Werk mit solcher Ausschließlichkeit verschrieb? Seine Tat, das Kopieren, in der westlichen Moderne oft als unoriginell abgetan, wurzelt tief in der japanischen Tradition, in der das Nachahmen des Meisters ein Weg zur eigenen Meisterschaft und zur Durchdringung des Motivs ist.

Der Film verwebt diese beiden Erzählstränge zu einer dichten filmischen Erzählung. Er interessiert sich für Übersetzungen zwischen Körper und Bild, die der Isenheimer Altar aufzeigt. Er folgt den Spuren des Roggens und des Antoniter-Ordens von Frankreich bis nach Ägypten, zeigt Yanai bei seiner Arbeit, spricht mit seiner Familie, seinen Weggefährten und zeigt seine Werks im Antoniter- Museum in Memmingen, wo seine Kopie heute unsichtbar im Depot ruht. Visuell opulent und assoziativ montiert, stellt der Film eine Verbindung her zwischen dem Leiden der mittelalterlichen Patienten, der Ekstase der Mystiker, Grünewalds fieberhafter Schöpfung und Yanais manischer Hingabe. Im Kern des Films steht die Frage, wie Bilder die sie Betrachtenden so sehr ergreifen können, dass sie in ihrem Geist, ihrer Seele, ihrem Körper spürbar wirksam werden. Was ist der Unterschied zwischen künstlerischer Obsession und religiöser Hingabe? Kann Kunst heilen? Und kann man sich an einem Bild infizieren?

„Der Isenheimer Altar, Yanai und das heilige Feuer“ ist kein klassisches Künstlerporträt, sondern eine filmische Reise in die Geschichte, welche die ansteckende Kraft der Kunst erforscht. Der Film zeigt, wie Kunst über Jahrhunderte und Kulturen hinweg wirkt und im Akt der Betrachtung eine tiefgreifende, heilsame und manchmal auch gefährliche Transformation auslösen kann.

IN ENTWICKLUNG

DREHBUCH

ein Dokumentarfilm von Manuel Stettner

PRODUKTION

INDI FILM Productions GmbH / SEPPIA 

PARTNER

ARTE France / ARTE G.E.I.E. / SR / ARTE