Habib Rhapsody

Habib (49) trifft nach vielen Jahren auf seine Jugendliebe, die er in der Türkei zurück ließ. Sein Sohn Neco (24) liebt eine junge Studentin, ist aber verheiratet. Bruno (53) wird unehrenhaft aus der Firma geworfen, tritt auf einer Verkehrsinsel in Sitzstreik und droht damit zur Witzfigur des Platzes zu werden. Ingo (82) reißt aus dem Pflegeheim aus, um seine Tochter nach 40 Jahren um Verzeihung zu bitten.

Habib Rhapsody erzählt von 4 Männern am Stuttgarter Wilhelmsplatz, von ihren Lebenslügen und der Kunst, ehrlich zu sich selbst zu sein. Denn ein richtiges Leben im Falschen – gibt es nicht mal im Film.

Es ist Sommer, es ist heiß. Die Müllabfuhr streikt und der Müll stinkt zum Himmel. Und so wie die Stadt, sind auch die Leben der Menschen am Platze in Unordnung geraten.
Habib (49) erfährt von einem alten Jugendfreund, dass dieser seine große Liebe geheiratet hat, die er damals in der Türkei zurückließ, weil er große Pläne hatte. Habib muss sich eingestehen, dass er es zu nichts gebracht hat: Nur ein schäbiger Imbiss, eine lieblose Ehe mit einer Deutschen und ein Sohn, der nur Probleme macht. Dieser Thomas, der sich neuerdings Neco (24) nennt, sich die Haare färbt, um türkischer auszusehen, weiß trotzdem nicht wer er ist, geschweige denn, was er im Leben will. Das einzige, was er dieser Tage weiß: Er liebt Jona, eine deutsche Studentin, die einzige, die ihn so nimmt, wie er ist. Doch es gibt ein Problem: Neco ist verheiratet und hat einen kleinen Sohn.
Bruno (53), Gesellschafter einer großen Firma, wird eines Morgens wegen vermeintlicher Veruntreuung vom Freund und Partner buchstäblich vor die Tür gesetzt. Aus Wut und Verzweiflung, schwört er, sich nicht vom Fleck zu bewegen und tritt auf der Verkehrsinsel in Sitzstreik. Doch nach der ersten unbequemen Nacht im verdörrten Gras, lässt sein Anwalt sich verleugnen, ihm geht das Geld aus und schließlich wird ihm auch noch das i-Phone gesperrt. Bruno droht zur Witzfigur des Platzes zu werden.
Ingo (82), flieht kurzerhand aus einem Pflegeheim. Seit 40 Jahren fühlt er sich schuldig, seine einzige Tochter im Stich gelassen zu haben. Denn als seine junge Frau ihn verließ, stürzte er ins Bodenlose, verschwand von einem Tag auf den anderen und kehrte nie wieder zurück. Doch je mehr der demenzkranke Ingo sein Kurzzeitgedächtnis verliert, desto eindringlicher erinnert er sich an damals. Das einzige, was er nun will , ist seine Tochter um Verzeihung zu bitten.
Während Habib dem verwirrten Ingo hilft, die verlorene Tochter zu erreichen, dringt Bruno in ein ihm fremdes Milieu ein und muss erkennen, dass sein Leben bisher nur auf Geld und Einfluss basierte.
In der gleichen Nacht, in der Necos Lügengebäude zusammenbricht und er Jona verliert, trifft Habib auf seine Jugendliebe und erfährt, dass ihre Tochter sein leibliches Kind ist. Habib wird der Verrat an sich und ihr bewusst und er muss einsehen, dass sich die Zeit nicht zurückdrehen lässt. Auch der alte Ingo erkennt, dass er zu lange gewartet hat. Seine Tochter will ihn nicht mehr sehen.
Als Bruno in dieser Nacht Habib im Imbiss vertritt, wird er vom Freund und Partner rehabilitiert. Doch auch wenn Bruno nicht weiß, wie es weitergeht: zurück ins alte Leben? Auf keinen Fall!
Am Ende treffen Vater und Sohn erschöpft und niedergeschlagen aufeinander. Die Begegnung mit seinem „ersten“ Leben und seiner türkischen Vergangenheit, bringt Habib seinem Sohn wieder näher. Diesem Sohn, der ihm ähnlicher ist, als er dachte und der ihn mehr braucht, als er glaubte.

Thomas Strittmatter Drehbuchpreis 2012

Kurzinfos

Drehbuch:
Michael Baumann & Sabine Westermaier

Regie:
Michael Baumann

Förderung:
MEDIA (Entwicklung), MFG Filmförderung Baden-Württemberg (Drehbuch, Projektvorbereitung, Produktion),
Hessische Filmförderung (Produktion)

Sender:
SWR

Genre:
Ensemblefilm, Drama